Freitag, 26. August 2011

Die Zukunft von Air Berlin

Die Zukunft von Air Berlin

Air Berlin hat wieder einmal rote Zahlen veröffentlicht, diesmal für das erste Halbjahr 2011. An Ausreden mangelte es wie üblich nicht, die Luftverkehrsabgabe, der hohe Ölpreis, die Krisen in Nordafrika seien schuld am Ergebnis. Doch mal ehrlich, der Ölpreis ist seit Jahren und für alle hoch, die Luftverkehrsabgabe tragen die Kunden und Ägypten und Tunesien sind im Streckennetz der Air Berlin nur Randgebiete, Libyen wird sowieso nicht angeflogen.

Doch diesmal folgte den schwachen Zahlen ein ungewöhnlicher Paukenschlag: Der Vorstandsvorsitzende Joachim Hunold wirft das Handtuch und gibt seinen Posten zum 01.09.2011 ab. Sein Nachfolger wird das bisherige Aufsichtsratmitglied Hartmut Mehdorn.
Hunold stand fast 20 Jahre an der Spitze von Air Berlin. Von manchen Medien wurde er sogar fälschlicherweise als Unternehmensgründer bezeichnet. In seiner Zeit wuchs die Fluggesellschaft von einem kleinen Nischenunternehmen mit 2 Flugzeugen zur zweiten Kraft in Deutschland hinter der Lufthansa. Mit viel Leidenschaft und Pioniergeist hat Hunold eine große Firma mit über 150 Flugzeugen geschaffen. Allerdings fehlte im stets der Feinschliff, oft ging ihm offenbar persönliche Geltungssucht vor den betriebswirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. Ein klares Geschäftsmodell ist bis heute nicht erkennbar, Air Berlin bewegt sich hier zwischen Provinz-Billigflieger (Ryanair), Metropolen-Billigflieder (easyJet), globalem Anbieter (Lufthansa), Urlaubsflieger (LTU), innerdeutschem Shuttle (dba) und Nischenanbieter (Hamburg International/ Luftfahrtgesellschaft Walter). Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Neben dem bizarren Geschäftsmodell hat auch die wirre Flottenpolitik von Air Berlin sicherlich keinen guten Einfluss auf die Ergebnisse des Unternehmens. Hunold wechselte fröhlich zwischen Airbus und Boeing hin und her. Die Kurzstreckenflotte besteht jeweils fast zur Hälfte aus A320 und 737, von beiden sind noch weitere Exemplare bestellt. Die Langstreckenflotte besteht aus hauptsächlich von LTU übernommenen A330, nun sollen ähnlich viele 787 dazu kommen. Hunold ließ es sich nicht nehmen, beim potemkinschen roll-out der 787 im Jahr 2007 den Stargast des Tages zu spielen, der gleich 25 Exemplare des vermeintlichen Wunderfliegers bestellte. Davon hat er mittlerweile 10 wieder abbestellt. In wenigen Tagen gibt er sein Amt bei Air Berlin auf. Das musste er auch, denn wie Air Berlin selbst zugibt, ist auch der für 2011 versprochene Gewinn nicht mehr realisierbar. Wie geht es nun unter Hartmut Mehdorn weiter?

Mit 69 Jahren ist Hartmut Mehdorn längst im besten Pensionärsalter. Als langjährigen Chef des Unternehmens kann man ihn sich nicht vorstellen, nur als Interimslösung. Mehdorn hat in der Luftfahrtbranche einen guten Ruf, den verdankt er seiner Zeit bei Airbus. In der Transportdienstleistungsbranche ist das anders, zu oft eckte er in seiner Zeit als Chef der Deutschen Bahn bei Kunden, Mitarbeitern und Eigentümern an. Die notwendig gewordenen Einschnitte bei Air Berlin sind ihm zuzutrauen, aber hat er auch den strategischen Weitblick?

Wie geht es mit Air Berlin weiter?

Meiner Meinung nach braucht Air Berlin einen jungen und dynamischen Vorstandsvorsitzenden. Einen, der in erster Linie betriebswirtschaftlich denkt, gleichzeitig aber auch eine Leidenschaft für das Fliegen und Flugreisen hat. Einen, den das Ergebnis seiner Firma interessiert, nicht Gala-Veranstaltungen und Auszeichnungen.

Air Berlin braucht ein klares Geschäftsmodell. Dabei sollte man sich auf das Geschäft einer interkontinentalen Fluggesellschaft konzentrieren. Die Drehkreuze sollten Düsseldorf und Berlin sein. Der Beitritt zur oneworld-Allianz bringt sehr viel Potential, allerdings muss dafür auch viel gearbeitet werden. Die großen oneworld-Gesellschaften Cathay Pacific, Qantas, Japan Airlines, Lan Chile und American Airlines bedienen in Deutschland alle ausschließlich das Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt, und eben nicht Düsseldorf oder Berlin, ebenso der Beitrittskandidat Malaysian Airlines. Mit den Verbindungen von S7 und Royal Jordanian nach Berlin wurden bereits die ersten richtigen Schritte eingeleitet. Auch der Zugang zu den europäischen Partnern (British Airways, Iberia, Malev) passt noch nicht. Air Berlin fliegt in London nur die Sekundärflughäfen Gatwick und Stansted an, hat sich in Spanien auf Palma de Mallorca konzentriert und fliegt Budapest überhaupt nicht an.

Das Charter- und Urlaubsgeschäft sollte Air Berlin ausgliedern und wieder unter der nach wie vor sehr beliebten Marke LTU durchführen. Eine Trennung zwischen Hauptlinie und Touristen-Flieger, wie sie Lufthansa und Condor Jahrzehnte lang erfolgreich betrieben, wäre auch hier ein denkbarer Ansatz.

Weiterhin muss Air Berlin seine Flotte entrümpeln. Da ein vollständiger Ersatz der A320 durch 737 (oder umgekehrt) vermutlich sehr teuer wäre, sollte man sie auf die Gesellschaften (s.o.) oder auf die Drehkreuze verteilen, um zumindest teilweise durch Einheitlichkeit Kosten zu sparen.

Auf jeden Fall wartet noch viel Arbeit auf das Management von Air Berlin.

Samstag, 9. April 2011

Berlin soll mehr Langstreckenverbindungen bekommen


Berlin soll mehr Langstreckenverbindungen bekommen

Laut airliners.de soll Berlin neue künftig mehr als die bisherigen zwölf Langstreckenverbindungen bekommen. Flughafen-Chef Rainer Schwarz nennt dabei vor allem die oneworld-Mitglieder (und damit zukünftigen Air-Berlin-Partner) Qantas und Cathay Pacific. Gegenwärtig fliege nur jeder 22. Passagier der Berliner Flughäfen auf einer Langstrecke von oder nach Berlin. Dieser Anteil solle sich erhöhen.

Meine Meinung: Das kann ich nur begrüßen. Berlin ist bei Langstrecken schon lange unterversorgt und die ewigen Kurzstrecken-Flugzeuge, die man beim Flughafen-Besuch sieht, langweilen ohnehin recht schnell. Ein paar große Flieger dazwischen würden das Bild deutlich verbessern. Durch Air Berlin würden vor allem die oneworld Gesellschaften sehr viele Anschluß-Flüge innerhalb Europas in der eigenen Allianz anbieten können, während in Frankfurt meistens ein Weiterflug mit einer Fluggesellschaft einer anderen Allianz nötig wäre.

Die oneworld-Mitglieder S7 Airlines aus Russland und Royal Jordanian wollen Berlin bereits (wieder) anfliegen.
 


Qantas? Etwa mit dem A380? Wäre doch klasse. Auch direkte Flüge nach Hong Kong mit Cathay Pacific wären toll für Berlin.

Weitere Kandidaten der oneworld sind aus meiner Sicht American Airlines, Japan Airlines, LAN Chile und Mexicana, die allerdings erst wieder auf die Beine kommen muss. Auch der oneworld-Beitrittskandidat Kingfisher aus Indien könnte Berlin direkt anfliegen.

Aber warum nur oneworld? Sollten die anderen Fluggesellschaften einfach rum sitzen und Berlin ignorieren? Darauf würde ich nicht wetten.

Mehr dazu:
 



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Sonntag, 27. März 2011

Emirates nach Wien


Emirates und der zweite Flug nach Wien

Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai kämpft gegenwärtig um erweiterte Flugrechte zwischen Dubai und dem Flughafen der österreichischen Hauptstadt. Die Frequenz auf der Strecke soll von täglich auf zweimal täglich erweitert werden. Dagegen sperren sich die Austrian Airlines und ihre Muttergesellschaft, die Deutsche Lufthansa. Offenbar wurde der Emirates nun eine Erhöhung der Frequenzen von 7 auf 13 pro Woche eingeräumt, dies soll jedoch eine temporäre Lösung sein, eine endgültige stehe noch aus.

Meine Meinung. Hier gilt auch das, was in Berlin gilt: Wien würde durch das erweiterte Angebot der Emirates profitieren. Die Marktdominanz der Lufthansa und ihrer Töchter Swiss und Austrian im deutschen Raum ist erdrückend. Da hilft aus Sicht des Kunden jede Konkurrenz.





Air Berlin auch 2010 in den Roten Zahlen


Air Berlin auch 2010 in den Roten Zahlen

Air Berlin hat die finanziellen Zahlen für das Jahr 2010 veröffentlicht. Die Fluggesellschaft macht nach wie vor Verluste. 2010 lag das EBIT (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) bei -9,3 Millionen Euro. Das Gesamtergebnis bei -97,2 Millionen Euro. Air Berlin gibt an, ohne die Aschewolke und das daraus folgende Flugverbot, ohne den harten Winter und ohne Streiks in Europa hätte das EBIT 28,5 Millionen Euro im Plus gelegen. Mehr dazu.

Air Berlin macht nun schon seit Jahren Verluste und den Ankündigungen, schwarze Zahlen zu erreichen, folgten keine Taten. Das Handelsblatt macht Joachim Hunold dafür verantwortlich, dessen Führungsstil nicht zur Größe des Unternehmens passe. Auch das Manager Magazin hatte vor Monaten solche Aussagen veröffentlicht und einen kritischen Artikel über Hunold veröffentlicht.

Meine Meinung: Die Lage muss schnell verbessert werden. Ohne Air Berlin sähe die Luftfahrt in Berlin sehr düster aus. Bisher wurde schwarze Zahlen angekündigt, jedoch nicht erreicht. Das ist traurig. Vulkanen und anderen Faktoren die Schuld zugeben ist ärmlich, andere Fluggesellschaften haben diese Probleme auch und machen trotzdem Gewinne. Außerdem wäre das Ergebnis von Air Berlin auch ohne diese Probleme negativ gewesen. Auf ein möglicherweise positives EBIT zu verweisen genügt nicht. Das Handelsblatt sieht bereits das Lebenswerk von Joachim Hunold gefährdet. Ganz soweit bin ich noch nicht. Aber Air Berlin ist ein wichtiger Faktor für die Berliner Luftfahrt und muss schnell wieder auf die Beine kommen.

Samstag, 19. Februar 2011

Royal Jordanian nach Berlin


Ab Juni 2011 fliegt endlich wieder Royal Jordanian nach von Amman nach Berlin. Das wurde auch Zeit, denn vor einigen Jahren taten sie es bereits, stellten die Verbindung aber wieder ein. Ich erinnere mich noch gut an ihre A310 in Berlin, ein aus meiner Sicht sehr schönes Flugzeug. Zunächst wird es nur zwei wöchentliche Verbindungen geben, was natürlich sehr wenig ist. Über Amman bietet Royal Jordanian viele weitere Verbindungen auf die arabische Halbinsel an, z.B. nach Saudi-Arabien, Oman und Jemen.

Berlin wird der 59. von Royal Jordanian angeflogene Ort. Eine Rolle dabei dürfte auch gespielt haben, dass die jordanische Fluggesellschaft Mitglied der Allianz oneworld ist, der auch Air Berlin beitreten möchte. Die königliche Gesellschaft aus Jordanian fliegt bereits dreimal wöchentlich nach München und täglich nach Frankfurt. Nach Berlin sollen Airbus A320 eingesetzt werden.

Berlin wird langsam zum Nahost-Hub, neben Royal Jordanian steht immer noch Oman Air an, außerdem scharrt Emirates bereits seit Jahren mit den Hufen. Vielleicht erleben wir es noch, dass sie auch dürfen.


Mehr dazu:


Freitag, 18. Februar 2011

S7 Airlines nach Berlin


Eine nicht ganz brandaktuelle Meldung, aber trotzdem interessant: Ab dem 24. April wird die russische S7 Airlines eine wöchentliche Verbindung von Berlin nach Nowosibirsk einrichten. In Deutschland fliegt die S7 Airlines bereits München, Frankfurt, Düsseldorf und Hannover an. S7 Airlines ist eine der größten Fluggesellschaften auf dem inner-russischen Markt und bietet von Nowosibirsk aus zahlreiche Verbindungen innerhalb Russlands an. Ihre Flugzeuge sind in einer „gift-grünen“ Lackierung gehalten. S7 ist seit dem 15. November 2010 Mitglied der „oneworld“-Allianz, der auch Air Berlin beitreten möchte. S7 Airlines und Air Berlin unterhalten code-share Verbindungen.

Meine Meinung: Endlich mal etwas Farbe in Berlin, die Lackierung ist eine willkommene Abwechselung. Nur eine Frequenz pro Woche ist natürlich erstaunlich wenig, aber das dürfte sicherlich noch steigen, wenn die Zusammenarbeit mit Air Berlin weiter ausgebaut wird. Interessant ist auch die Flotte der S7 Airlines, die mit Airbus A310/Boeing 767 sowie Airbus A320/Boeing 737 auch direkte Konkurrenzmodelle betreibt. Das bringt ggf. weitere Abwechslung nach Berlin.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Neue Lufthansa-Langstrecken ab Düsseldorf?


Einer Meldung zufolge plant Lufthansa neue Langstreckenverbindungen ab Düsseldorf. Auch die Zubringer-Flüge dorthin sollen erweitert werden, um die Langstreckenmaschinen besser auszulasten.

Zitat aus dem Artikel: „Die Lufthansa will offenbar den Langstreckenverkehr ab Düsseldorf ausbauen und damit dem Mitbewerber Air Berlin stärker Konkurrenz machen.“

Dabei sollen ab 2012 zwei neue Langstreckenflugzeuge in Düsseldorf stationiert werden. Als mögliche Ziele werden Shanghai und Delhi genannt.

Meine Meinung: Delhi und Shanghai? Die werden von Air Berlin nicht bedient und sind auch für die oneworld-Allianz, der Air Berlin beitreten möchte, keine Drehkreuze. In Delhi bietet Lufthansas Partner Air India viele Umsteigemöglichkeiten, in Shanghai Lufthansas Partner Air China. Shanghai ist jedoch hauptsächlich das Drehkreuz von China Eastern Airlines und Shanghai Airlines, die demnächst zum SkyTeam um Air France gehören werden. Vielleicht will Lufthansa viel mehr Emirates aus Dubai Konkurrenz machen, die von Düsseldorf aus mit einem Zwischenstopp am Golf Verbindungen in diese beiden Städte anbieten.

Das könnte auch für Berlin ein Vorbild sein. Konkurrenz belebt also doch das Geschäft. Durch zusätzliche Verbindungen ab Düsseldorf durch Anbieter wie Emirates (und auch Air Berlin) sieht sich die Lufthansa gezwungen, hier mehr anzubieten. Die Passagiere profitieren durch bessere Verbindungen und günstigere Preise. Die Stadt profitiert durch mehr Einnahmen und bessere Attraktivität des Standortes. Daher sollte Berlin auch möglichst schnell neue Verbindungen bekommen.

Siehe auch: